Weiterentwicklung von EMAS

Infomaterial

 

Weiterentwicklung von EMAS

Die EU-Kommission überarbeitet in Abstimmung mit den Mitgliedsstaaten die EMAS-Verordnung, hauptsächlich um die Anhänge der Verordnung an die neue ISO 14001:2015 anzupassen. Daneben wird auch das EMAS-Nutzerhandbuch aktualisiert und um Regelungen für ein „Multi-Site“-Verfahren ergänzt. Mit dem „Multi-Site“-Verfahren ist es Organisationen bestimmter Branchen erlaubt, ihre Standorte stichprobenartig prüfen zu lassen.

Die wesentlichen Neuerungen betreffen:

Umweltprüfung - Anhang I

Anhang I wird um solche Themen erweitert, die mit der neuen ISO 14001:2015 eingeführt wurden. Dies  betrifft insbesondere die Bestimmung des Kontextes der Organisation, die Erfassung der interessierten Parteien und ihrer Erfordernisse und Erwartungen, die Ermittlung von Risiken und Chancen sowie die stärkere Berücksichtigung von Umweltaspekten entlang des Lebensweges (indirekte Umweltaspekte). Die Umweltprüfung ist die erstmalige Bestandsaufnahme und Bewertung der Umweltaspekte.

Umweltmanagementsystem - Anhang II

Im Anhang II sind die Anforderungen der ISO 14001 (Spalte A) den darüber hinausgehenden Anforderungen der EMAS-Verordnung (Spalte B) gegenüber gestellt. Die Spalte A wird den Normentext der ISO 14001:2015 (Abschnitt 4 bis 10) übernehmen. Die Pflicht zur Benennung einer/ eines Managementbeauftragten, die unter der ISO 14001:2015 entfällt, wird unter EMAS beibehalten. Auch in Zukunft stehen Rechtskonformität und Umweltleistungsverbesserung im Mittelpunkt des EMAS-Umweltmanagements.

Umweltbetriebsprüfung - Anhang III

Die Umweltbetriebsprüfung ist die systematische, dokumentierte, regelmäßige und objektive Bewertung der Umweltleistung einer Organisation, des Managementsystems und der Verfahren zum Schutz der Umwelt. Anhang III wird u.a. um die freiwillig eingegangenen Verpflichtungen ergänzt. Außerdem wird die Überprüfung der Rechtskonformität und die Berichterstattung interner Auditergebnisse an die Leitungsebene der Organisation stärker betont.

Umwelterklärung - Anhang IV

Die für Anhang IV vorgesehen Änderungen dienen insbesondere dem Zweck, die Flexibilität bei der Berichterstattung zu erhöhen und den Fokus der Berichterstattung auf die bedeutenden Umweltaspekte und -auswirkungen zu legen. Dadurch soll die Nutzung der Umwelterklärung für andere Anforderungen (z.B. Berichtspflichten) erleichtert werden. Wesentliche Änderungen sind:

  • Es wird nun explizit auf die Möglichkeit hingewiesen, in die Umwelterklärung weitere Umweltinformationen aufzunehmen, die über die Anforderungen von Anhang IV hinausgehen. Diese Informationen werden dann auch von der Umweltgutachterin/ dem Umweltgutachter validiert.

  • Die Umwelterklärung kann – auch das ist in Anhang IV nun klar geregelt – in andere Berichte integriert werden (z.B. Nachhaltigkeitsbericht). Die Umwelterklärung muss eindeutig identifizierbar sein.

  • Die Kernindikatoren werden überarbeitet. Der bisherige Indikator für Biodiversität wird in „Flächennutzung in Bezug auf Biodiversität“ überführt und setzt sich aus dem Gesamtflächenverbrauch, versiegelter Fläche, naturnaher Fläche vor Ort aber auch abseits des Standortes  zusammen. Der Kernindikator „Energie“ unterscheidet nun in zugekaufte und selbst erzeugte erneuerbare Energien. Die „Zahl B“, also die Bezugsgröße der Kernindikatoren, und die Dimension der Indikatoren können künftig unter Berücksichtigung bestimmter Vorgaben frei gewählt werden.

  • Die Entwicklung bei den bedeutenden indirekten Umweltaspekten wird in Zukunft über die Kernindikatoren oder geeignete andere Indikatoren abzubilden sein. Insofern eine Quantifizierung nicht möglich ist, soll qualitativ berichtet werden.

  • Soweit verfügbar, sollte auf die einschlägigen besten Umweltmanagementpraktiken Bezug genommen werden, die in den branchenspezifischen Referenzdokumenten vorgelegt werden.

  • Die Sprachregelung bzgl. der Umwelterklärung bei Sammelregistrierungen wurde überarbeitet. So kann z.B. in Abstimmung mit der Registrierungsstelle für die Umwelterklärung eine von der Amtssprache abweichende Berichtssprache für die Registrierung gewählt werden. Es muss dennoch sichergestellt sein, dass Informationen über einzelne Standorte in der Sprache des jeweiligen Landes verfügbar sind.

 

Wann erfolgt die Veröffentlichung der novellierten EMAS-VO und welche Fristen sind zu beachten?

Eine Veröffentlichung der Anhänge wird voraussichtlich bis September 2017 erfolgen, ggf. in zwei Schritten (zunächst Anhänge I bis III, dann Anhang IV). Die neue Verordnung tritt 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft. Dann kann nach geänderter EMAS-Verordnung auditiert werden. Inhaltlich können EMAS-Organisationen schon jetzt ihr Umweltmanagementsystem auf die neue ISO 14001:2015 umstellen und zertifizieren lassen.

Die Übergangsfristen zur Anpassung des Umweltmanagementsystems an die neue EMAS-Verordnung orientieren sich an denen der ISO 14001:2015, wonach bis zum 14.09.2018 umzustellen ist. Falls eine (Re-)Validierung vor dem 14. März 2018 geplant ist, kann der Termin in Abstimmung mit dem Umweltgutachter und der zuständigen Stelle um 6 Monate verlängert werden.

Seit der Einführung 1993 ist die EMAS-Verordnung zweimal novelliert worden. 2001 erfolgte die Integration der Managementsystemanforderungen der EN ISO 14001, die Öffnung für alle Branchen einschließlich Behörden und Vereinen sowie die Einführung eines neuen einheitlichen EMAS-Logos. Mit der zweiten Novellierung 2009 wurde EMAS auch für Standorte außerhalb der EU ermöglicht. Darüber hinaus wurden die Belange kleiner und mittlerer Unternehmen berücksichtigt sowie verbindliche Kernindikatoren eingeführt, mit denen die Leistungen in sechs betrieblichen Umweltaspekten dargestellt werden.



Weitere Informationen:

Weiterführende Informationen

13.04.2016

EU-Kommission veröffentlicht Infoblatt zur neuen ISO 14001 und EMAS

Die EU-Kommission erarbeitet derzeit in Abstimmung mit den Mitgliedsstaaten die Integration der im September 2015 veröffentlichten neuen ISO 14001 in die Anhänge der EMAS-Verordnung. Ein Infoblatt gibt einen Überblick über den Zeitplan und die zu erwartenden Anpassungen in Bezug auf die EMAS-Verordnung. weiter»

04.02.2016

EMAS und die neue ISO 14001

Der Umweltgutachterausschuss (UGA) hat die Änderungen der neuen ISO 14001:2015 im Rahmen der EMAS-Verordnung bewertet. Für die an EMAS teilnehmenden Unternehmen und Organisationen ergibt sich durch die Neufassung der ISO 14001 nur ein geringfügiger Anpassungsbedarf. Ein Infoblatt des UGA zeigt die möglichen Auswirkungen auf die EMAS-Verordnung. weiter»