

UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann, Herbert Aichinger (EU KOM) und Burkhard Huckestein (UBA-UMB)
Am 19. November 2009 erhielten in Stockholm sieben Organisationen den europäischen Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) Award der Europäischen Kommission. Der diesjährige Preis wurde vergeben für umweltfreundliche Beschaffung und Umweltschutz in der Lieferkette.
Bei einer feierlichen Zeremonie im historischen National Museum übergab der Vertreter der Generaldirektion Umwelt, Herbert Aichinger, die Preise an die glücklichen Gewinner:
Mikro-Organisation: Eco Conseil Entreprise, Belgien
Kleine Organisation: VAS. & EK. Kottaridi, Griechenland
Mittlere Organisation: Austria Glass Recycling, Österreich
Große Organisation: VAE Eisenbahnsysteme, Österreich
Öffentliche Verwaltung: Umweltbundesamt (Deutschland), Land Oberösterreich (Österreich) und Environment Agency (Großbritannien)
Weitere deutsche EMAS-Organisationen bekamen eine Auszeichnung für ihre Nominierung: In der Kategorie kleine Organisation das Seehotel Wiesler, Titisee, bei den mittleren Organisationen der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), Bonn und der Polstermöbelhersteller himolla GmbH aus Taufkirchen/Vils in der Kategorie große Organisation. Insgesamt waren 31 EMAS-Organisationen aus Belgien, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden, Spanien, Tschechien und Ungarn nominiert.
Der EMAS Awards wird seit 2005 an Organisationen und Unternehmen verliehen, die in vorbildlicher Weise das europäische Umweltmanagement- und Betriebsprüfungssystem eingeführt und umgesetzt haben.
Die Gewinner in den einzelnen Kategorien stellen wir Ihnen im Folgenden mit Auszügen aus der Begründung der Jury vor:

Marcel Van Meesche und Heinz-Werner Engel von ECE
Mikro-Organisation: Eco-Conseil Entreprise, Belgien
Das Beratungsunternehmen Eco-Counseil Enterprise (ECE) bietet Dienstleistungen im Bereich Umwelt und insbesondere im Umweltmanagement an. Die Glaubwürdigkeit der Beratungstätigkeit im Umweltbereich wird durch das eigene Engagement gestärkt, unter anderem durch konsequente „grüne“ Beschaffung und hat dadurch auch Einfluss auf die Klienten. ECE beweist, dass auch für ein Consulting-Unternehmen nachhaltige Beschaffung und dadurch eine wesentliche Verringerung der Umweltauswirkungen möglich ist.

Herbert Aichinger und die Gewinnerinnen VAS. & EK. Kottaridi
Kleine Organisation: VAS. & EK. Kottaridi, Griechenland
Das 1968 gegründete Unternehmen aus Kalamata (Messinia) hat sich auf die Produktion und den Handel mit Kalk und Kalkprodukten spezialisiert. Darüber hinaus hat VAS. & EK. Kottaridi langfristige Lieferkooperationen mit lokalen Anbietern von Olivenkernholz, welches in gepresster Form als Kohlebrikett in Öfen zum Heizen verwendet werden kann. Das Olivenkernholz ist ein Abfallprodukt das bei der Olivenölproduktion entsteht, und das als fester Biomassekraftstoff eine erneuerbare Energiequelle mit sehr hohem Brennwert darstellt. Dieser Biokraftstoff beinhaltet keine halogenierten organischen Komponenten oder Schwermetalle. Daher kann der Verbrennungsrückstand für die Produktion von pflanzlicher Kohle genutzt werden.

Gewinnerinnen von Austria Glas Recycling
Mittlere Organisation: Austria Glas Recycling, Österreich
Austria Glas Recycling (AGR) organisiert in Österreich die Sammlung und das Recycling von Altglas. Die private Nonprofit-Organisation sorgt für die Bereitstellung von Altglassammelbehältern und ist verantwortlich für den Transport der gesammelten Glasverpackungen zum Recycling in die Glaswerke. AGR treibt ihre umweltfreundliche Beschaffung und Lieferkette voran durch den kontinuierlichen Dialog mit ihren Stakeholdern. Jährlich finden dazu gemeinsame Workshops zur Bewertung und Verbesserung der Umweltleistung der Zulieferer statt. Darüber hinaus gibt es Umweltkriterien für eine umweltfreundliche Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und den Bezug von Strom. Im Druckbereich wird der myclimate Gold Standard eingehalten.

Umweltgutachter von VAE und Herbert Aichinger (EU KOM)
Große Organisation: VAE Eisenbahnsysteme, Österreich
VAE Eisenbahnsysteme (VAEE) ist ein Systemanbieter von Weichensystemen für Schwerlast-, Hochgeschwindigkeits- und Nahverkehr, inklusive Antriebs- und Sicherungstechnik. Das Unternehmen arbeitet eng mit Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern zusammen und entwickelte ein integriertes System für das Screening von Umwelt- und Sicherheitsrisiken. Für die Zulieferung entwickelte VAEE ökologische Kriterien für die Bewertung der Lieferanten und für die Bereiche Rohstahl über Schienen bis zur Endverarbeitung liefern durchgehend EMAS-Unternehmen. Ebenfalls wendet das Technologieunternehmen ökologische Kriterien für die Beschaffung von Finanzanlagen, Instandhaltungen, Material und Energiebezug an. Vor allem für einen umweltfreundlichen Energiebezug setzte sich VAEE ein durch die Erweiterung eines Kleinkraftwerks auf dem Fluss Plön von 1,5 auf 14 GWh Strom pro Jahr und einer Umstellung in der Wärmezulieferung von Erdgas auf Biomasse von einem lokalen Wärmeanbieter. Dadurch werden 1400 t CO2 pro Jahr vermieden. www.voestalpine.com
Öffentliche Verwaltung: Drei Behörden gewannen einen Preis, da sie bei der Jurybewertung die gleiche Punktzahl erhielten.

Gewinner in der Kategorie "Öffentliche Verwaltung"

UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann und Burkhard Huckestein
Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau
Das Umweltbundesamt (UBA) ist die zentrale Umweltbehörde in Deutschland mit Aufgaben in Wissenschaft und Forschung, Vollzug von Gesetzen und Information der Öffentlichkeit. Bereits seit 2001 hat das UBA Leitlinien einer umweltorientierten Beschaffung beschlossen und in das Umweltmanagementsystem integriert. Der Umweltmanagementbeauftragte ist in alle Beschaffungsangelegenheiten eingebunden. Als größte Umweltbehörde in Deutschland fließt beim UBA die Umweltorientierung der Beschaffung in vielfältiger Weise in die tägliche Arbeit und die Forschung mit ein und ist fest in der Umweltpolitik verankert. Derzeit hat das UBA etwa 50 Partner mit EMAS-Registrierung sowie 62 Lieferanten für Produkte mit dem Blauen Engel.

Vertreter des Land Oberösterreich
Land Oberösterreich, Linz
Das Land Oberösterreich ist seit 2008 ins EMAS-Register eingetragen. An dem historischen Standort in Linz sind u. a. die Kultur- und Musikdirektion sowie das Büro von Umwelt-Landesrat untergebracht. Das Amt Oberösterreich übernimmt die zentrale Beschaffung für die Landesregierung und die sieben Organisationseinheiten am Standort. Für die Bemühungen um den Aspekt der umweltfreundlichen Beschaffung verdient das Amt besondere Anerkennung als zentrale Beschaffungseinheit in der Region und durch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen (z. B. über eine spezielle Informations-Plattform). Es ist auch auf nationaler Ebene aktiv, z. B. im Rahmen des Nationalen Aktionsplans für nachhaltige Beschaffung, und nimmt an verschiedenen europäischen Projekten teil.

Sally Davis und Kollegin von der Environment Agency
Environment Agency, Rotherham
Die Environment Agency (Umweltamt) ist für den Schutz und die Verbesserung der Umwelt in England und Wales zuständig, dabei ist sie auch ein wichtiger Auftraggeber für die Beschaffung von Waren, Arbeiten und Dienstleitungen. Mehr als 50% wird z. B. für Bautätigkeiten aufgewendet. Besondere Bemühungen zeigt das Umweltamt in der Entwicklung einer umweltfreundlichen Lieferkette (z. B. bei fair gehandelter Bekleidung), Schulung und Fortbildung des Personals und im Bereich der Beschaffungspolitik. Die Beschaffungsstrategie richtet einen umfassenden Blick auf Nachhaltigkeit, und beinhaltet auch sozio-ökonomische Überlegungen. Das Amt gibt seinen Ansatz auch an andere Regierungsstellen weiter und ermutigt Lieferanten und andere Organisationen, ebenfalls ein umweltfreundliches Beschaffungswesen zu integrieren.

Die Europäische Kommission nominierte für den EMAS-Award 2009 insgesamt 31 EMAS-Organisationen aus 11 Mitgliedstaaten. Die am häufigsten belegte Kategorie war die öffentliche Verwaltung mit zehn Nominierungen. Danach folgt die Kategorie Große Organisation mit sieben. In den Kategorien Mittlere und Kleine Organisationen waren jeweils fünf Organisationen für den EMAS-Preis nominiert bei den Mikro-Organisationen vier. Kein Mitgliedstaat konnte alle fünf vorhandenen Kategorien bestücken. Mit Deutschland entsendeten Griechenland und Schweden jeweils vier Organisationen in vier Kategorien.
Im Folgenden finden Sie Nominierten aus den Mitgliedstaaten mit Angabe des Namens und der Kategorien:
Für die Endrunde des EMAS-Preises der europäischen Kommission, der dieses Jahr für vorbildlichen „Umweltschutz in der Lieferkette“ ausgelobt wird, stehen die deutschen Bewerber fest. Die nationale Jury, zusammengesetzt aus Experten der Bundesumweltbehörden, des DIHK, des Umweltgutachterausschusses und der DAU mbH, wählte vier Sieger aus den eingegangenen Bewerbungen aus. Diese wurden nach Brüssel gemeldet, wo nun ein internationales Gremium die Sieger auf europäischer Ebene nominierte. Die Preisverleihung findet am 19. November 2009 in Stockholm statt.
Aus Deutschland werden folgende EMAS-Organisationen in Schweden vertreten sein:
Die EMAS-Organisationen, die sich für den EMAS-Award beworben hatten, mussten ihre vorbildlichen Leistungen beim Umweltschutz in der Lieferkette und bei umweltfreundlicher Beschaffung ausführlich nachweisen. Dabei sind neben vielen unterschiedlichen Einzelmaßnahmen auch Schwerpunkte bei Beschaffung und Lieferkette zu erkennen, z. B. Regionalität für Produkte und Dienstleistungen, festgelegte Beschaffungsordnungen, Beauftragung anderer EMAS-Organisationen, Einsatz zertifizierter Materialien.
Im Folgenden stellen wir Ihnen die Nominierten und ihre Maßnahmen vor:
Das seit 2006 nach EMAS validierte Seehotel am Titisee setzt konsequent auf Beschaffung von regionalen Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen Energie, Lebensmittel, Einrichtung, Inventar und Kosmetikartikel und dies wenn möglich auch in biologisch erzeugter Qualität von zertifizierten Öko-Betrieben. Durch die Mitgliedschaft in Vereinen und Kooperationen, die sich der Regionalität verschrieben haben, wird die Einhaltung der Kriterien in dem Familienhotel nicht nur im EMAS-Prozess regelmäßig überprüft.
Weitere Informationen zum Umweltmanagement des Seehotel Wiesler.
Der EED hat für seine Beschaffung eine Beschaffungsordnung erstellt, die für alle Bereiche am Standort Bonn gilt. Mit dieser Beschaffungsordnung verschreibt sich der Verein einen öko-fairen Einkauf für z. B. Bürobedarf, Lebensmittel, Energiebezug, Präsente etc. Darüber hinaus nimmt der EED seit Mai 2008 als Testeinrichtung am bundesweiten Pilotvorhaben „Zukunft einkaufen – Glaubwürdig wirtschaften in Kirchen“ initiiert durch die Umweltmanagementbeauftragten der Evangelischen und Katholischen Kirchen Deutschlands teil. Durch das Projekt sollen Kirchen dazu bewegt werden, ihre Marktstellung zu nutzen und auf öko-faire Beschaffung umzustellen.
Weitere Informationen zum Umweltmanagement des EED.
Der Polstermöbelhersteller himolla achtet bereits beim Einkauf der Rohstoffe (Holz, Leder, Stoff etc.) auf Umweltfreundlichkeit und hat umweltrelevante Anforderungen an die Lieferanten festgelegt. So erfüllen z. B. die verarbeiteten Stoffe und Garne alle den Ökotex 100 Standard, das Holz ist nach FSC-Richtlinien zertifiziert und bei den Verpackungsmaterialien setzt das bayrische Unternehmen auf vermeiden und recyceln. Die bereits seit 10 Jahren validierte EMAS-Organisation setzt auch auf eigene Innovationen im Bereich der Lacke und Beizen.
Weitere Informationen zum Unternehmen himolla.
Getreu seinem Leitspruch „Für Mensch und Umwelt“ hat das Umweltbundesamt (UBA) von seinen elf Standorten bisher fünf nach EMAS validieren lassen (lesen Sie hierzu auch EMAS Aktuell Nr. 20, S. 3). Als erste nach EMAS validierte Bundesbehörde hat das UBA bereits 2001 Leitlinien einer umweltorientierten Beschaffung beschlossen und in das UMS integriert. Im Jahr 2008 vergab das UBA 13 Aufträge an EMAS-Organisationen, ca. 940 Aufträge an Unternehmen mit einem Umweltmanagementsystem (UMS) und etwa 1630 Aufträge an Unternehmen mit einem Qualitätsmanagement. Als größte Umweltbehörde in Deutschland fließt beim UBA die Umweltorientierung der Beschaffung in vielfältiger Weise in die tägliche Arbeit und die Forschung mit ein.
Weitere Informationen über EMAS beim UBA.