Meldungen

EMAS-Infomaterial

EMAS Info herausgegeben von der UGA-Geschäftsstelle
 

Wie globale Nachhaltigkeitsziele auf Betriebsebene umsetzbar werden

03.05.2018 

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN. Quelle: globalgoals.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Diskussionsgäste des UGA-Erfahrungsaustauschs: Theresa Steyrer (Moderation), Michael Kaminski-Nissen, Yvonne Zwick, Annette Schmidt-Räntsch, Walter Vogt, Dr. Patrick Neumann-Opitz (v.l.n.r.). © GS UGA – Frank Kermann
Teilnehmende des Erfahrungsaustauschs beteiligen sich an der Diskussion. © GS UGA – Frank Kermann

Am 18. April 2018 diskutierten auf einem Erfahrungsaustausch des Umweltgutachterausschusses Akteurinnen und Akteure der Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbände und weiterer Institutionen darüber, wie bestehende Berichterstattungsstandards, sowie Management- und Auditsysteme zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beitragen können.


Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (Sustainable Development Goals, kurz SDG) bieten einen globalen Zielrahmen für die nachhaltige Entwicklung, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte zusammen bringt. Zur Umsetzung sind Politik, Gesellschaft und Unternehmen gleichermaßen gefordert. Eine Vielzahl von Unternehmen beschäftigt sich nicht erst seit der Veröffentlichung der SDG mit nachhaltiger Unternehmensführung. Sei es auf ökologischer Ebene über ein Umweltmanagementsystem oder im Rahmen einer Nachhaltigkeitsberichterstattung bedienen sich Organisationen einer Vielzahl von Instrumenten. Sie sehen Nachhaltigkeit nicht nur als weiches Thema im Sinne von Werten und Überzeugungen, sondern auch als Bedingung, um ihre „Licence to operate“ sicherzustellen.


Die Übertragung der SDG von der globalen Nationalstaaten-Ebene auf die Unternehmensebene wird durch weiteres Nachschärfen möglich. In seinem einführenden Gastbeitrag erläuterte der Umweltmanagementbeauftragte Dr. Patrick Neumann-Opitz, wie die Flughafenbetreiberin Fraport AG einzelne SDG auf ihr Geschäftsfeld überträgt. Welche der 17 Ziele und 169 Unterziele bei Unternehmen Anwendung finden sollten, und welche keine Steuerungsmöglichkeiten bieten, zeigten die teilweise kontroversen Redebeiträge der etwa 50 Teilnehmenden. Geringe Steuerungsmöglichkeit besitzen Flughafenbetreiber bei der Verringerung der Umweltbelastungen durch den wachsenden Flugverkehr, da der Flugverkehr über die Flughafenkoordinatoren der Bundesregierung gesteuert wird, so Dr. Neumann-Opitz. Die Gesundheit der Fluggäste und faire Arbeitsbedingungen der Beschäftigten bewerteten einige Teilnehmende durchaus als umsetzbar.


In der Praxis kann die Kombination verschiedener Nachhaltigkeitsinstrumente ein sinnvoller Weg sein, wie eine UGA-Studie zu den Schnittstellen zwischen EMAS und dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) aufzeigt, deren Zwischenstand Bettina Heimer, stellvertretende Vorsitzende des Verbands für Nachhaltigkeits- und Umweltmanagement, beim Erfahrungsaustausch vorstellte. Die Studie vergleicht im ersten Teil die inhaltlichen Anforderungen beider Instrumente an teilnehmende Organisationen. Im zweiten Teil stellt sie eine Auswahl von Nachhaltigkeitsinstrumenten auf der Systemebene gegenüber und arbeitet Alleinstellungsmerkmale aber auch Überschneidungen heraus, was z.B. die Anwendergruppen, Prüfqualität, den Detaillierungsgrad in der Berichterstattung, den thematischen Fokus oder die Transparenz betrifft.

 

Auch die Fraport AG kombiniert verschiedene Instrumente zu einem gesamten Nachhaltigkeitsmanagement. So hat das Unternehmen Leitsätze, Standards und Berichtsinstrumente, wie der Global Reporting Initiative (GRI), DNK, CDP und Global Compact bereits integriert. Als großes internationales Unternehmen unterliegt Fraport seit 2017 auch der Berichtspflicht nach CSR-Richtlinie (EU) 2014/95. „Das älteste Label, mit dem wir uns beschäftigen, ist EMAS. Es hat sich seit 1999 für das Fraport-Umweltmanagement bewährt und dient als „Blaupause“ für die Umweltdimension unserer Nachhaltigkeitsberichterstattung“, erklärt Dr. Neumann-Opitz.


In der anschließenden Diskussionsrunde mit Expertinnen und Experten für nachhaltige Unternehmensführung wurde deutlich, dass für die Vielzahl bereits existierender Instrumente und Standards im Nachhaltigkeitsbereich die SDG eine Art Rahmenwerk mit allgemeinen Zielstellungen für eine nachhaltige Entwicklung bilden können. Michael Kaminski-Nissen, Gesamtvorstandsmitglied des Bundesarbeitskreises für umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. schildert, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit nicht von der Unternehmensgröße abhänge, sie habe in verschiedenen Unternehmen bereits begonnen, bisher jedoch in unterschiedlicher Qualität. Die SDG bieten seiner Ansicht nach einen simplen und greifbaren Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit. Sie sind jedoch als Hilfestellung nicht als Verpflichtung für Unternehmen zu sehen.


Wer Nachhaltigkeit für sich reklamiert, sollte sich kritisch damit auseinandersetzen.
Wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte eines Unternehmens bedürfen auch einer höheren Priorität im Management sowie in der Berichterstattung, sonst setzt sich ein Unternehmen schnell dem Vorwurf der „Rosinenpickerei“ aus. Annette Schmidt-Räntsch, Referentin im Bundesumweltministerium (BMU), erklärt, dass eine Wesentlichkeitsprüfung der zu berichtenden Nachhaltigkeitsaspekte, wie sie bei EMAS für den Umweltbereich erfolgt, Transparenz und Glaubwürdigkeit sicherstellen kann.


Extern geprüfte Nachhaltigkeitsberichte genießen eine höhere Glaubwürdigkeit und Wertigkeit bei den Stakeholdern. Verschiedene Berufsstände stehen in diesem vergleichsweise jungen Prüffeld im Wettbewerb. Derzeit prüfen hauptsächlich Wirtschaftsprüfer Nachhaltigkeitsberichte. „Die Umweltgutachter können diesen Wettbewerb als „pushing factor“ befeuern – mit einem positiven Ansatz – nämlich der Expertise, dass sie schon sehr viel länger in diesem Themenfeld aktiv sind“, erklärt Yvonne Zwick, Leiterin des DNK-Büros, und spricht sich für mehr Qualität in der Nachhaltigkeitsberichterstattung aus.


Zwicks Plädoyer, dass Aufsichtsräte beim Thema nichtfinanzieller Berichterstattung mehr Kompetenzen aufbauen müssten, entgegnet Walter Vogt, IG Metall-Vorstand und Aufsichtsratsmitglied, dass Wirtschaftsprüfer über die größte Expertise verfügen, und er deshalb nicht empfehle die Prüfung den Aufsichtsräten zu überlassen. Er sieht jedoch Bedarf, das Thema Nachhaltigkeit noch stärker bei Aufsichtsräten aber ebenso auf der Kapitalgeberseite zu verankern.


Nicht zuletzt steht neben der Wirtschaft auch die Politik in der Verantwortung, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Teilnehmende der Veranstaltung fordern ein ressortübergreifendes Engagement verschiedener Bundesministerien. Vorhaben im Sinne der Nachhaltigkeit müssten stärker auch in die Länder und Kommunen getragen werden. Auch nachhaltige Forschung, Bildung und der öffentliche Dienst müssen im Sinne einer Vorreiterrolle und der Multiplikatorenausbildung gefördert werden.

 

Zur Veranstaltungsdokumentation (Präsentation, Agenda, Kurzportraits der Referentinnen und Referenten, Fotos, Pressemitteilung des Umweltgutachterausschusses):
Download UGA_Erfahrungsaustausch_20180418.ZIP

Verwandte Artikel

12.03.2018

Organisationen mit „EMAS-Umweltmanagement 2018“ ausgezeichnet

Das Bundesumweltministerium (BMUB) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zeichnen EMAS-registrierte Organisationen für die vorbildliche und innovative Umsetzung ihres Umweltmanagements aus. Die Gewinnerinnen und Gewinner beweisen eindrucksvoll das große Potenzial eines systematischen Umwelt- und Klimaschutzes in Unternehmen, in der öffentlichen Verwaltung und in Kirchengemeinden.  weiter»

08.03.2018

Erfahrungsaustausch: Wie kann die Wirtschaft ihren Beitrag zu SDGs leisten?

Was sind die Erwartungen von Politik und Unternehmen an ein glaubwürdiges nachhaltiges Wirtschaften? Wie können etablierte Instrumente und Standards im Bereich Umweltmanagement, Nachhaltigkeit und Berichterstattung eine stärkere Marktdurchdringung erreichen? Und welcher politischen Rahmenbedingungen bedarf es dabei? Der Umweltgutachterausschuss (UGA) lädt zu einem Erfahrungsaustausch mit Expertinnen und Experten der nachhaltigen Unternehmensführung am 18. April 2018 in Berlin.  weiter»