Interviewreihe "Was uns bewegt"

EMAS-Infomaterial

EMAS Info herausgegeben von der UGA-Geschäftsstelle
 

Fünf Fragen an die neuen UGA-Mitglieder: Christoph Töpfer

15.06.2017 

Mit Beginn der achten Berufungsperiode des Umweltgutachterausschusses (UGA) am 21. Dezember 2016 hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) 13 neue Mitglieder in den Ausschuss berufen. Mit der Interviewreihe „Was uns bewegt“ stellt die UGA-Geschäftsstelle die neuen Mitglieder vor.

 

Der UGA berät das BMUB in Fragen des europäischen Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystems EMAS und setzt sich für dessen Verbreitung, Förderung und Entwicklung ein. Neben den gesetzlich übertragenen Aufgaben wie die Prüfung und Beaufsichtigung von Umweltgutachterinnen und Umweltgutachtern, leistet er Informations- und praktische Unterstützungsarbeit für Politik, Verwaltung, EMAS-Organisationen und für alle anderen, die sich für die europäische EMAS-Verordnung interessieren.

 

Die derzeit 45 ehrenamtlich tätigen Mitglieder vertreten die Gruppen der Umweltgutachter, Unternehmen, Gewerkschaften, Umweltverbände sowie Umwelt- und Wirtschaftsverwaltungen von Bund und Ländern.

 

In den nächsten Monaten stellen die neuen Ausschuss-Mitglieder ihre Berufung, ihre Schwerpunktthemen und ihre Erwartungen an die Arbeit im UGA vor. Sie werden über ihr Engagement für EMAS und ihre Erwartungen an die Berufung in den UGA berichten.

Fortsetzung unserer Interviewreihe:

Christoph Töpfer (Vertreter für die Verwaltung im UGA):
ist beim Umweltbundesamt im Fachgebiet I 1.4 Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Umweltfragen, nachhaltiger Konsum tätig. www.umweltbundesamt.de

1. Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen/ Ihre Organisation vor.
    Was sind Ihre Schwerpunktthemen in Ihrem hauptberuflichen Kontext?

 

"Als Mitarbeiter am Umweltbundesamt (UBA) widme ich mich wissenschaftlichen und praktischen Fragen der umweltorientieren Unternehmensführung und gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen. EMAS und Umweltmanagementsysteme spielen dabei die zentrale Rolle. Ich arbeite aktiv an der Weiterentwicklung von EMAS und ISO 14001 und engagiere mich für die Verzahnung von EMAS mit anderen umweltpolitischen Instrumenten und Ansätzen. Erst kürzlich hat das UBA beispielsweise ein Forschungsvorhaben auf den Weg gebracht, in dem bestehende Umweltvorschriften und umweltrelevante Beihilfen systematisch auf Verknüpfungsmöglichkeiten mit EMAS untersucht werden.


Das UBA ist Deutschlands größte Umweltbehörde. Es erhebt Daten zum Zustand der Umwelt, erforscht Zusammenhänge, gibt Prognosen für die Zukunft und berät mit diesem Wissen die Bundesregierung. Darüber hinaus informiert es die Öffentlichkeit in Umweltfragen und vollzieht auch Umweltgesetze. Seit 2001 – vorher war es für Behörden noch nicht möglich – ist das UBA selbst EMAS-Organisation.

Mittlerweile sind alle 15 Standorte, die sowohl Bürogebäude aber auch Laboratorien und Messstellen umfassen, nach EMAS validiert. EMAS hat im UBA eine wichtige Schnittstellenfunktion. Zum einen hilft es uns, dass wir unsere fachlichen Empfehlungen auch im eigenen Haus umsetzen und damit unseren eigenen Ansprüchen gerecht werden. Zum anderen spiegeln wir unsere praktischen Erfahrungen im Umweltmanagement auch in die fachliche Arbeit zurück."

 

 

2.  Was ist Ihre Motivation sich mit EMAS zu beschäftigen?

 

"Meiner Ansicht nach ist ein proaktives Umweltmanagement in Unternehmen und anderen Organisationen eine wesentliche Voraussetzung, um unsere ambitionierten Ziele zum Klima- und Umweltschutz zu erreichen. Inwieweit ein Unternehmen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt ergreift oder gar ihr gesamtes Geschäftsmodell umweltfreundlich ausrichtet, hängt entscheidend von dessen Kultur, Prioritäten, Zielesetzungen und Managementstrukturen ab. Umweltmanagementsysteme sind wichtig, weil sie genau an dieser Stelle ansetzen. Sie tragen dazu bei, dass sich Organisationen über ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, den Erfordernissen und Erwartungen ihrer Stakeholder und den damit verbunden Chancen und Risiken für ihr Handeln bewusst sind. Sie bilden die Grundlage für eine weitsichtige Organisationsführung und befördern den Einsatz und die Entwicklung umweltfreundlicher Produkte und Dienstleistungen.

 

EMAS unterstützt darüber hinaus die Umsetzung des geltenden Umweltrechts, schafft eine glaubwürdige und transparente Kommunikation mit der Öffentlichkeit und fordert nachweisbare Verbesserungen der Umweltleistung. Diese Aspekte machen EMAS zu einem wertvollen Werkzeug, nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Umweltpolitik."

 

 

3. Was war Ihr beflügelndstes Erlebnis im Umweltmanagementbereich Ihres Unternehmens/
     Ihrer Organisation?

 

"Zusammen mit dem Bundesumweltministerium haben wir uns dafür stark gemacht, dass EMAS prominent in die Neuauflage der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen wird. Das hat funktioniert. Auch wenn das Ziel – 5.000 EMAS Standorte bis zum Jahr 2030 –  aus unserer Sicht ambitionierter hätte ausfallen können, bietet die Nachhaltigkeitsstrategie einen guten Handlungsrahmen, um EMAS aus der Nische zu holen. Damit uns das gelingt, müssen nun wirksame Maßnahmen folgen. Hierzu ist ein breites Engagement von Politik, Verwaltung, Verbänden, Kammern und natürlich auch den Unternehmen gefragt."

 

 

4. Welche Erwartungen haben Sie an die Arbeit im UGA?
     Wo sehen Sie Chancen oder auch Herausforderungen?

 

"EMAS hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre in Deutschland zwar etabliert, konnte aber nicht aus der Nische entkommen. Die Registrierungszahlen gingen zwischen 2005 und 2012 um rund 20% zurück. Abgesehen von Deutschland, Österreich, Spanien und Italien spielt EMAS in Europa kaum eine Rolle. Die niedrige Beteiligung am System erschwert auch die politische Unterstützung. Trotz dieser eher schwierigen Bestandaufnahme stehen die Zeichen der Zeit meiner Ansicht nach gut für EMAS. Seit 2013 lässt sich ein leicht positiver Trend in der Anzahl registrierter Standorte in Deutschland erkennen. Die internationalen und nationalen Aktivitäten im Rahmen der UN Sustainable Development Goals, des EU-Programms zur Kreislaufwirtschaft oder Bestrebungen zu Bürokratieabbau und besserer Rechtssetzung sind Möglichkeiten, EMAS als modernes und leistungsfähiges Instrument zu positionieren. Auch die Entwicklungen im Energiebereich, zum Beispiel die Energieauditpflicht, die besondere Ausgleichsregelung oder der Spitzenausgleich geben EMAS Aufwind.


Der UGA spielt eine wesentliche Rolle, diese Chancen für EMAS zu ergreifen und dafür zu sorgen, dass das System von Politik und Wirtschaft als handfester Mehrwert wahrgenommen wird. Die große Stärke des UGA ist dabei seine breite Zusammensetzung. Die Netzwerke der UGA-Mitglieder sind eine exzellente Voraussetzung, um die Stärken von EMAS zu kommunizieren und Schulterschlüsse in Wirtschaft und Verwaltung zu schaffen."

 

 

5. Wofür möchten Sie Ihr Engagement im UGA nutzen? Was möchten sie durch Ihr Engagement
     im UGA erreichen?

 

"Zusammen mit den Expertinnen und Experten im UGA möchte ich mich für eine stärkere Vernetzung des Ausschusses mit Akteuren in den Bereichen Energie- und Ressourceneffizienz, Klimaschutz und CSR einsetzen. Gelingt es uns, die Synergien mit anderen Systemen und Ansätzen aufzuzeigen und andere Akteure für EMAS zu motivieren, kann ein vielversprechender Multiplikatoreffekt für die Bekanntheit von EMAS entstehen.

Außerdem ist es mir ein Anliegen, dass sich der UGA als Beratungsgremium des BMUB aktiv in die nationale und europäische Umweltpolitik einbringt, denn neben den betrieblichen Vorteilen müssen wir insbesondere den umweltpolitischen Nutzen von EMAS vermitteln. Hierbei können sich meine fachliche Arbeit am Umweltbundesamt und die Ausschusstätigkeit sicher sehr gut ergänzen."

Das Interview mit Christoph Töpfer führte Anna Stoltenberg, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Umweltgutachterausschusses.