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Diskussionsrunde zum Reformationssommer: Umweltmanagement konkret

13.07.2017 

© Reformationsjubiläum 2017 e. V.
© Reformationsjubiläum 2017 e. V.
© GS UGA - Mario Lodigiani
Teilnehmende der Diskussionsrunde. © UGA GS - Mario Lodigiani
© DEKT
Fahrradkuriere und Leihfahrräder als Teil eines umfassenden Mobilitätskonzepts für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017. © DEKT
© Evangelische Bank
Nachhaltigkeitsfilter der Evangelischen Bank. © Evangelische Bank
© Schneider Schreibgeräte GmbH
CO2-Kompensation bei Schneider Schreibgeräte GmbH. © Schneider Schreibgeräte GmbH

Am 30.06.2017 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, kirchlichen Organisationen, des Bundesumweltministeriums und des Umweltgutachterausschusses in einer gemeinsamen Veranstaltung im Rahmen des Reformationsjubiläums unter dem Titel „Vom Umweltschutz zum nachhaltigen Wirtschaften – Umweltmanagement konkret“. Die Diskussion zeigte, dass Umweltmanagement im unternehmerischen aber auch im kirchlichen Kontext eine wachsende Bedeutung zukommt.


Mehr als 1.200 Organisationen führen ein Umweltmanagementsystem nach EMAS, um ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern. Mehr als 50 Prozent davon gehören zum verarbeitenden Gewerbe und fast 15 Prozent (rund 170 Organisationen) sind kirchliche Einrichtungen. So unterschiedlich die Organisationen – so ähnlich die Beweggründe für ihr Engagement. Moderiert von Esther Zippel (UGA) und Dr. Oliver Foltin (FEST) diskutierten dieses Engagement Annette Schmidt-Räntsch, Bundesumweltministerium, Karin Terodde, Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT), Dr. Volker Teichert, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. (FEST), Dr. Andreas Rautenkranz, Evangelische Bank Kassel, und Jerry Grunau, Schneider GmbH im Transformationspavillon des Reformationssommers in Lutherstadt Wittenberg.


EMAS bietet den Organisationen eine systematische und glaubwürdige Herangehensweise, um ihre Geschäftsfelder ökologisch auszurichten und ihre Umweltleistung verbessern zu können. Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass die Anforderungen von EMAS und der damit verknüpfte Nutzen des Systems hoch sind.


Die Bundesregierung bekennt sich ebenfalls zu EMAS in ihrer "Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie". Mit der Nachhaltigkeitsstrategie hat die Bundesregierung einen eigenen Maßnahmenplan und ein Managementkonzept zur Umsetzung von 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals = SDG) der Agenda 2030 für eine Nachhaltige Entwicklung ressortübergreifend beschlossen. EMAS ist ein Indikator für das SDG „12. Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“. Der Indikator ist definiert mit der Anzahl der EMAS-Standorte mit dem Ziel, diese bis 2030 von derzeitig 2.000 auf 5.000 Standorte in Deutschland zu erhöhen. Dies soll über mehr Anreize und weitere gesetzliche Erleichterungen erreicht werden.


Als Bank mit ethischem Anspruch, christlichen Werten und einem sozialen Engagement hat die Evangelische Bank das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Management fest verankert. Über Stakeholder-Befragungen, der Aufstellung von Unternehmensgrundsätzen einschließlich eines Leitbildes bis hin zum Aufbau eines Nachhaltigkeitsfilters für ihre Finanzanlagen kam das Unternehmen zu EMAS. Um auch die sozialen Aspekte extern prüfen zulassen, ließ sich die Evangelische Bank zusätzlich nach EMASplus zertifizieren, erklärte Dr. Andreas Rautenkranz, Nachhaltigkeitskoordinator im Unternehmen. Der Nachhaltigkeitsfilter ist ein mehrstufiges Auswahlverfahren für die Zusammensetzung der Eigenanlagen, mit dem die Anlagen nach ökonomischen, ökologischen und ethisch-sozialen Kriterien bewertet werden.


Als Familienunternehmen engagiert sich die Schneider Schreibgeräte GmbH schon seit mehreren Generationen für die ökologische Ausrichtung seiner Produkte, des Produktionsprozesses und des Unternehmens. So z.B. mit kostenlosen E-Bikes für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder Schreibgeräten, bei denen bei der Herstellung, Verwendung und der Wiederverwendung der eingesetzten Materialien die Ökologie mitgedacht wird. Zum Einsatz kommen vermehrt biobasierte und Recycling-Kunststoffe. Auf PVC wird konsequent verzichtet und es gibt sogar Schreibgeräte, die klimaneutral produziert werden. Mit der EMAS-Registrierung 1998 der beiden Standorte im Schwarzwald und im Harz und der in den Nachhaltigkeitsbericht integrierten Umwelterklärung wird dieses Engagement glaubwürdig nach außen vermittelt, so Jerry Grunau, Umweltbeauftragter im Unternehmen.


Das Zentrale Büro des DEKT in Fulda ist seit 2004 EMAS-registriert und lässt seine im zweijährigen Turnus stattfindende Großveranstaltung seit 2007 nach EMAS validieren. Da jeder Kirchentag an einem anderen Ort stattfindet, wird das Umweltmanagement jedes Mal an die Örtlichkeiten und die mitwirkenden Menschen ausgerichtet, so Karin Terodde, Umweltbeauftragte beim DEKT. Nach über zehnjähriger Erfahrung ist das Managementsystem ein zentraler Bestandteil geworden, dessen Konsistenz weiterhin optimiert wird. Als Stichworte seien Abfälle und anreisebedingte Treibhausgasemissionen der über 100.000 Besucherinnen und Besucher, eine öko-faire Verpflegung ebenso wie Energie und Wasserbedarf der zahllosen Veranstaltungen genannt.


„Der Blaue Engel, das älteste und bekannteste Umweltzeichen in Deutschland, muss in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden“, findet FEST-Forschungsleiter und Vorsitzender der Jury Umweltzeichen Dr. Volker Teichert. Zurzeit gibt es rund 12.000 Produkte mit dem Blauen Engel von 1.500 Unternehmen in 120 verschiedenen Produktgruppen. Nur die aus Umweltsicht besten Waren und Dienstleistungen einer Produktgruppe erhalten den Blauen Engel, der 2018 sein 40-jähriges Jubiläum feiert. Am häufigsten wurden bisher Papier-, Möbelprodukte sowie Farben und Lacke ausgezeichnet.
Im Vergleich zur Gesamtzahl an Produkten und Unternehmen gibt es viele Potenziale aber auch Hürden, um etablierte Systeme wie den Blauen Engel und EMAS weiter zu stärken, indem mehr Unternehmen und Organisationen sich zu den Standards verpflichten - das zeigten die Diskussionsbeiträge der Teilnehmenden.


Die Veranstaltung wurde von der Wanderausstellung „20 Jahre EMAS“ begleitet, die noch bis 20. Juli im Rahmen der Weltausstellung zum Reformationssommer in Lutherstadt Wittenberg zu sehen ist.