Interviewreihe "Was uns bewegt"

EMAS-Infomaterial

EMAS Info herausgegeben von der UGA-Geschäftsstelle
 

Fünf Fragen an die neuen UGA-Mitglieder: Thomas Voß

10.05.2017 

Mit Beginn der achten Berufungsperiode des Umweltgutachterausschusses (UGA) am 21. Dezember 2016 hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) 13 neue Mitglieder in den Ausschuss berufen. Mit der Interviewreihe „Was uns bewegt“ stellt die UGA-Geschäftsstelle die neuen Mitglieder vor.

 

Der UGA berät das BMUB in Fragen des europäischen Umweltmanagement- und Umweltbetriebsprüfungssystems EMAS und setzt sich für dessen Verbreitung, Förderung und Entwicklung ein. Neben den gesetzlich übertragenen Aufgaben wie die Prüfung und Beaufsichtigung von Umweltgutachterinnen und Umweltgutachtern, leistet er Informations- und praktische Unterstützungsarbeit für Politik, Verwaltung, EMAS-Organisationen und für alle anderen, die sich für die europäische EMAS-Verordnung interessieren.

 

Die derzeit 45 ehrenamtlich tätigen Mitglieder vertreten die Gruppen der Umweltgutachter, Unternehmen, Gewerkschaften, Umweltverbände sowie Umwelt- und Wirtschaftsverwaltungen von Bund und Ländern.

 

In den nächsten Monaten stellen die neuen Ausschuss-Mitglieder ihre Berufung, ihre Schwerpunktthemen und ihre Erwartungen an die Arbeit im UGA vor. Sie werden über ihr Engagement für EMAS und ihre Erwartungen an die Berufung in den UGA berichten.

Unsere Interviewreihe beginnt mit:

© BMEL 2017

Thomas Voß (Unternehmensvertreter im UGA):
Stellv. Kaufmännischer Direktor und Umweltmanagementvertreter der LWL-Kliniken Münster und Lengerich.

1. Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen/ Ihre Organisation vor.
    Was sind Ihre Schwerpunktthemen in Ihrem hauptberuflichen Kontext?

 

"Ich bin als Abteilungsleiter Wirtschaft, Versorgung und Technik für den Dienstleistungsbereich der LWL-Kliniken Münster und Lengerich tätig. Es handelt sich um zwei große psychiatrische Fachkrankenhäuser in kommunaler Trägerschaft des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) mit angeschlossenen Wohneinrichtungen für psychisch behinderte Menschen und jeweils einer Pflegeeinrichtung. Der Gesamtumsatz jeder Klinik beträgt über 50 Mio. Euro/Jahr. Außerdem trage ich als Stellvertretender Kaufmännischer Direktor Gesamtverantwortung in der Unternehmensleitung und bin als Umweltmanagementvertreter nach EMAS für das Umweltmanagement der beiden Kliniken verantwortlich. Die LWL-Klinik Münster wurde 1999 übrigens als erstes psychiatrisches Fachkrankenhaus bundesweit nach EMAS validiert, die LWL-Klinik Lengerich folgte 2011."

 

 

2.  Wie ist Ihr Bezug zu EMAS? Was war Ihre Motivation sich mit EMAS zu beschäftigen?

 

"Beide Kliniken haben sich schon immer intensiv um den Umweltschutz gekümmert. Den Unternehmensleitungen war schon in den 1990er Jahren bewusst, dass gerade Krankenhäuser einen besonderen gesellschaftlichen Auftrag haben und sich neben der ökonomischen Seite gleichgewichtig auch um den Schutz der Umwelt und soziale Aspekte kümmern müssen. Wir waren mit die ersten Kliniken, die überhaupt Umweltbeauftragte bestellt haben – lange vor EMAS. Die Umweltbeauftragten gehörten traditionell in meine Abteilung, weil Technik, Energieversorgung, Einkauf und Speiseversorgung besondere Umweltauswirkungen haben. Als dann das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) 1998 ein Modellprojekt gefördert hat, um Krankenhäuser an EMAS heranzuführen, war klar, dass wir dabei sind. Besonders interessiert waren wir an der Rechtssicherheit, die EMAS bietet, an der kontinuierlichen Benennung und Erfüllung von Umweltzielen und nicht zuletzt auch an einem Alleinstellungsmerkmal innerhalb des LWL und seinen Einrichtungen.

 

Mittlerweile ist EMAS so etabliert und fester Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie, dass ein Ausstieg aus EMAS für uns undenkbar ist. Ich bin ein echter EMAS-Überzeugungstäter geworden, weil ich EMAS für den absoluten „Gold-Standard“ im Umweltmanagement halte und echte Vorteile gegenüber allen anderen Umweltmanagementsystemen sehe. Wirklich verstehen kann ich nicht, dass nicht mehr Unternehmen – und vor allem natürlich aus der Gesundheitsbranche – die Chancen nutzen, die EMAS bietet. Gerade in einer Zeit, wo CSR (Corporate Social Responsibility) in aller Munde ist und die meisten Unternehmen ja ohnehin zur Durchführung eines Energieaudits gezwungen sind, wäre das ein logischer Schritt. Das gilt m.E. auch für Unternehmen, die ansonsten auf ISO setzen; schließlich umfasst EMAS auch die Erfüllung der ISO 14001."

 

 

3. Was war Ihr beflügelndstes Erlebnis im Umweltmanagementbereich Ihres Unternehmens/
     Ihrer Organisation?

 

"Das beflügelndste Erlebnis war für mich – neben der Tatsache, dass wir mittlerweile weit mehr als 100 Umweltziele umgesetzt haben – sicher die Realisierung und Beibehaltung unseres Umweltzieles „Bio-Apfelsaft“ der LWL-Klinik Lengerich, vordergründig ein Projekt fernab vom Kerngeschäft einer Klinik. Wir ernten dort seit mehreren Jahren die Äpfel unserer eigenen Streuobstwiesen gemeinsam mit Beschäftigten, Bewohnern und Patienten. Die Äpfel werden durch eine mobile Mostpresse zu Bio-Apfelsaft gepresst. Der Verkaufserlös des Apfelsaftes kommt dem Erhalt der Streuobstwiesen zugute, z. B. durch Nachpflanzungen alter Apfelsorten.

 

In meinen Augen ist das ein wunderschönes Projekt, mit dem man nachhaltiges Wirtschaften par Excellence erfahrbar machen kann – für Beschäftigte, für Patienten und Bewohner und für Außenstehende. Dieses jährlich neu umgesetzte Umweltziel ist übrigens ein Beleg dafür, dass man mit EMAS auch neben dem eigentlichen Kerngeschäft ein positives Unternehmensimage in der Öffentlichkeit fördern kann. Über unser jährliches Mosten mit der mobilen Saftpresse berichtet die regionale Presse ausführlich. Auch die Öffentlichkeit nimmt regen Anteil, wenn es wieder unseren hausgemachten Zwiebelkuchen gibt, die neue Pressung probiert und der erste Saft gekauft werden kann. Wir nutzen das, um EMAS und unser Umweltmanagement einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen – positives Image inklusive. Aus diesem Grund haben wir uns auch mit unserem Engagement für die Reduzierung von Lebensmittelabfällen für den Bundespreis „Zu gut für die Tonne!2017 des Bundeslandwirtschaftsministerium beworben. Auch wenn wir nicht Preisträger geworden sind, sind wir angesichts von immerhin 168 Bewerbungen sehr stolz, dass unser Engagement mit der Nominierung für den Preis belohnt worden ist."

 

 

4. Welche Erwartungen haben Sie an die Arbeit im UGA?
     Wo sehen Sie Chancen oder auch Herausforderungen?

 

"Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den anderen Experten im UGA. Besonders reizt mich der fachliche Austausch mit anderen Praktikern, den Vertreterinnen und Vertretern der Interessensverbände und dem Ministerium. Ich glaube, dass durch die Arbeit des sehr gut aufgestellten UGA dem Ministerium ein exzellentes Gremium zur Seite steht. Zunächst muss ich mich natürlich noch in die Arbeitsweise des Gremiums eindenken und einarbeiten, erfahre dabei aber sehr gute kollegiale Unterstützung durch erfahrene Mitglieder.

 

Besondere Herausforderungen sehe ich in der zukünftigen Positionierung von EMAS gegenüber anderen Umweltmanagementsystemen, vor allem der ISO 14001. Auch die Herausforderungen auf der eher politischen Seite, zum Beispiel die Weiterentwicklung von EMAS auf der Seite der Europäischen Union, erfordern einen engen Schulterschluss und Zusammenwirken von UGA und Bundesumweltministerium. Wenn es dann auch noch gelänge, das Bundeswirtschaftsministerium noch enger als in der Vergangenheit in die Aktivitäten einzubinden, wäre gemeinsam viel zu erreichen. Eine große Herausforderung sehe ich zudem darin, den Bekanntheitsgrad von EMAS und den Mehrwert des Systems deutlich zu steigern. Auch ein Grund, warum ich mich für die entsprechende Arbeitsgruppe gemeldet habe."

 

 

5. Wofür möchten Sie Ihr Engagement im UGA nutzen? Was möchten sie durch Ihr Engagement
     im UGA erreichen?

 

"Ein persönliches Ziel wäre es, durch mein Engagement im UGA das Interesse der Krankenhausgesellschaften und damit der Krankenhäuser an EMAS zu wecken. Leider hat sich ja die Zahl der Krankenhäuser, die ein EMAS-Umweltmanagementsystem betreiben, von knapp hundert auf gut 20 reduziert. Das zu ändern wäre mir ein Herzensanliegen. Nebenbei bemerkt ist in meinen Augen der Ausstieg aus einem funktionierenden EMAS-Umweltmanagement ein grober Managementfehler. Daneben wünsche ich mir, dass ich dazu beitragen kann, auch in NRW insgesamt wieder mehr Unternehmen für EMAS zu interessieren und das Land NRW zu bewegen, EMAS als wichtigen CSR-Baustein zu bewerben und die interessierten Unternehmen bei der Einführung bzw. Wiedereinführung aktiv zu unterstützen."

Das Interview mit Thomas Voß führte Frank Kermann, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Umweltgutachterausschusses.

© BMEL 2017: Interview mit Thomas Voß zur Preisverleihung "Zu gut für die Tonne!" 2017